ISBN: Wann du sie brauchst – und wann nicht

Eine geteilte Illustration zeigt eine Person, die ein Buch liest, und eine andere Person, die ein Notizbuch mit "ISBN" und einem Strichcode in der Hand hält, während sie auf ein Smartphone schaut.

Eine dreizehntstellige Nummer kann einem manchmal mehr Kopfzerbrechen bereiten als die letzte Plotwendung im Manuskript. Die ISBN gehört zu den Themen, bei denen sich Self-Publisher oft unsicher fühlen – dabei ist die Sache weniger kompliziert als gedacht. Dieser Artikel klärt, wann du eine ISBN wirklich brauchst, wann du darauf verzichten kannst und was du dabei beachten solltest.

Was ist eine ISBN überhaupt?

Die Abkürzung steht für „International Standard Book Number“ – eine weltweit eindeutige Nummer, die dein Buch identifizierbar macht. Stell sie dir vor wie einen Fingerabdruck: Jedes Format, jede Ausgabe bekommt eine eigene Nummer. Die Taschenbuchversion hat eine andere ISBN als das E-Book, die zweite überarbeitete Auflage eine andere als die erste.

Die ISBN besteht aus 13 Ziffern, die in fünf Blöcke unterteilt sind. Sie verrät unter anderem, in welchem Land das Buch registriert wurde und wer der Verlag ist. Für dich als Self-Publisher bedeutet das: Du bist der Verlag.

Wann du eine ISBN brauchst

Wenn du über den Buchhandel verkaufen willst

Das ist der wichtigste Punkt: Sobald dein Buch in Buchhandlungen oder über Großhändler verfügbar sein soll, brauchst du eine ISBN. Ohne diese Nummer kann dein Buch nicht ins Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) aufgenommen werden – und ohne VLB-Eintrag wird keine Buchhandlung dein Buch bestellen können.

Das gilt übrigens auch für Online-Buchhandlungen wie Thalia oder Hugendubel. Sie arbeiten mit dem gleichen System wie die stationären Läden.

Wenn du verschiedene Formate anbietest

Jedes Format braucht eine eigene ISBN. Taschenbuch, Hardcover, E-Book – für jede Variante benötigst du eine separate Nummer. Das erscheint zunächst umständlich, hat aber einen guten Grund: Die verschiedenen Ausgaben unterscheiden sich in Preis, Seitenzahl und Ausstattung. Das System ermöglicht es, genau zu erfassen, welche Version verkauft wird.

Wenn du professionell auftreten möchtest

Eine ISBN signalisiert, dass du dein Buch ernst nimmst. Sie ist ein Qualitätsmerkmal – nicht im Sinne von literarischer Qualität, aber im Sinne von professioneller Veröffentlichung. Für viele Leser, Blogger und Jurymitglieder ist sie ein Hinweis darauf, dass hier jemand sorgfältig arbeitet.

Wann du keine ISBN brauchst

Bei reiner Amazon-Veröffentlichung

Wenn du dein E-Book ausschließlich über Kindle Direct Publishing (KDP) veröffentlichst, kannst du auf eine ISBN verzichten. Amazon vergibt für E-Books eine eigene Nummer, die ASIN (Amazon Standard Identification Number). Sie erfüllt innerhalb des Amazon-Systems die gleiche Funktion wie eine ISBN.

Viele Self-Publisher starten genau so: erst mal nur bei Amazon, erst mal nur als E-Book. Das ist völlig legitim und spart dir am Anfang Kosten und Aufwand.

Für kostenlose Weitergabe

Wenn du dein Buch als PDF verschenkst oder es nur auf deiner eigenen Website zum Download anbietest, brauchst du keine ISBN. Das gilt auch für Leseproben, Bonus-Material oder Kurzgeschichten, die du deinen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung stellst.

Wenn du erst mal ausprobieren willst

Manchmal ist es sinnvoll, eine Geschichte zunächst ohne ISBN zu veröffentlichen – zum Beispiel als Testballon, um Feedback einzuholen. Du kannst später immer noch eine ISBN beantragen und das Buch breiter verfügbar machen.

Lesetipp:  Buchformatierung: Selber machen oder auslagern?

Die Sache mit den Plattformen

Hier wird es praktisch: Verschiedene Plattformen handhaben ISBNs unterschiedlich.

Amazon KDP vergibt für E-Books kostenlose ASINs. Für Taschenbücher kannst du ebenfalls eine kostenlose ISBN von Amazon bekommen – allerdings erscheint dann Amazon als Verlag. Wenn du lieber mit deinem eigenen Verlagsnamen auftreten möchtest, brauchst du eine eigene ISBN.

Tolino Media akzeptiert E-Books auch ohne ISBN, aber mit einer eigenen ISBN hast du mehr Kontrolle und kannst dein Buch breiter streuen.

Draft2Digital und ähnliche Distributoren verlangen in der Regel eine ISBN, wenn du über sie den Buchhandel beliefern willst. Manche bieten kostenlose ISBNs an, aber auch hier gilt: Der Distributor erscheint dann als Verlag.

Wo bekommst du ISBNs?

In Deutschland werden ISBNs von der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH vergeben. Die Kosten variieren: Eine einzelne ISBN kostet aktuell 91 Euro, ein Zehnerblock 255 Euro. Wenn du mehrere Projekte planst oder verschiedene Formate veröffentlichen willst, lohnt sich der Zehnerblock.

Der Antrag ist unkompliziert und erfolgt online. Du brauchst dafür einen Verlagsnamen – das kann dein eigener Name sein oder ein Fantasiename. Wichtig: Der Name sollte nicht irreführend sein oder suggerieren, dass du ein etablierter Großverlag bist.

Nach der Zuteilung kannst du deine ISBNs selbst verwalten und jedem Buch zuordnen. Die Daten werden automatisch ans VLB übermittelt, sodass dein Buch für den Buchhandel bestellbar wird.

Was du sonst noch wissen solltest

ISBNs sind nicht übertragbar

Eine ISBN, die du einmal vergeben hast, bleibt bei diesem Buch. Wenn du später einen Fehler im Manuskript korrigierst, brauchst du keine neue ISBN – solange es sich um eine Korrektur und nicht um eine inhaltliche Überarbeitung handelt. Bei einer grundlegenden Neuauflage ist eine neue ISBN fällig.

Der VLB-Eintrag gehört dazu

Die ISBN allein reicht nicht. Du solltest auch die Metadaten deines Buches im Verzeichnis lieferbarer Bücher pflegen. Das umfasst Titel, Beschreibung, Kategorie, Preis und Lieferbarkeit. Dieser Eintrag ist kostenlos und macht dein Buch für Buchhandlungen auffindbar.

Nicht jedes Land, nicht jede Plattform

Wenn du international veröffentlichst, bekommst du in jedem Land eine andere Präfix-Nummer. Das ist normal und kein Problem – die ISBN ist trotzdem weltweit gültig.

Der praktische Rat zum Schluss

Überleg dir zu Beginn, wie weit du mit deinem Buch gehen möchtest. Wenn du nur bei Amazon starten willst, ist das völlig in Ordnung – du kannst später immer noch nachziehen. Wenn du aber von Anfang an in Buchhandlungen präsent sein möchtest oder mehrere Formate planst, investiere in einen ISBN-Block. Das spart Kosten und gibt dir die volle Kontrolle.

Die ISBN ist kein Mysterium, sondern ein Werkzeug. Sie eröffnet dir Türen, wenn du sie brauchst – und du kannst auch ohne sie anfangen, wenn dein Weg erst mal ein anderer ist. Wichtig ist, dass du eine bewusste Entscheidung triffst, die zu deinem Projekt passt.


 

Facebook
Twitter
LinkedIn
WhatsApp
Advertisement

Subscribe to My Newsletter

Subscribe to my weekly newsletter. I don’t send any spam email ever!